Warum wir das Falsche optimieren – und die eigentliche Frage nicht stellen

Wir diskutieren gerade intensiv über Industriestrategien.

Die Grundannahme ist klar: Die Industrie ist der Motor der Wertschöpfung. Sie schafft Wohlstand, Arbeitsplätze und Innovation. Das ist nicht falsch. Aber es greift zu kurz.

In Österreich arbeiten noch rund 17 % der Menschen in der Produktion. Und gleichzeitig ist klar, wohin die Entwicklung geht:

Mehr Automatisierung. Mehr Effizienz. Weniger Menschen.

Nicht, weil wir das wollen. Sondern weil es logisch ist. Weil es so sein muss.

Wir bauen unsere Zukunft auf einen Bereich, der systematisch weniger Menschen beschäftigen wird.

Gleichzeitig sprechen wir viel über Digitalisierung. Aktuell am liebsten über KI. Aber oft meinen wir etwas anderes. Formulare werden zu PDFs. Prozesse werden schneller. Oberflächen moderner. Aber die Logik bleibt gleich.

Wir digitalisieren Prozesse. Aber wir verändern sie nicht.

Und genau deshalb entsteht auch keine neue Wertschöpfung.

Wo entsteht sie dann?

Dort, wo die Plattformen laufen. Dort, wo die Daten verarbeitet werden. Dort, wo die KI-Systeme trainiert werden. Und das passiert nur selten bei uns.

Wenn Industrie weniger Menschen braucht und wir keine eigene digitale Wertschöpfung aufgebaut haben, stellt sich eine einfache Frage:

Welche Arbeit werden Menschen in Zukunft eigentlich verrichten?

Nicht in der Produktion. Und nicht in der digitalen Wertschöpfung.

Worauf basiert unser Modell dann?

Auf diese Entwicklung reagieren viele mit bekannten Erklärungen:

Die Energiepreise. Die Lohnkosten. Die Rahmenbedingungen.

„Wenn das besser wird, wird es schon wieder.“

Warum eigentlich?

Selbst wenn Menschen bei uns um 50 % ihres Lohnes arbeiten würden, gäbe es noch immer einen Ort auf diesem Planeten, der billiger ist.

Und gleichzeitig werden wir durch Automatisierung und Robotik weiter Menschen ersetzen.

Wer gesehen hat, was technologisch heute bereits möglich ist, ahnt, wohin die Entwicklung geht.

Aber selbst wenn sich alle Rahmenbedingungen dramatisch verbessern, ändert das nichts an der grundlegenden Frage.

Denn Effizienz löst kein Strukturproblem.

Auch bei Energie zeigt sich das gleiche Muster.

Wir wissen, dass neue Lösungen notwendig sind. Und gleichzeitig blockieren wir sie. Nicht aus Mangel an Wissen. Sondern weil jede Veränderung Konsequenzen hat.

Das ist kein Einzelfall.

Das ist ein Muster:

Wir verbessern das Bestehende. Aber wir stellen die Logik nicht in Frage.

Und vielleicht beschreibt ein Bild die Situation am besten:

Wir sitzen im Auto. Der Motor läuft. Die Geschwindigkeit passt.

Und wir schauen dabei einen Film.

Alles wirkt normal. Alles fühlt sich kontrollierbar an.

Bis zu dem Moment, an dem klar wird, dass niemand mehr auf die Straße schaut.

Europa hat in den letzten Jahrzehnten massiv an wirtschaftlicher Bedeutung verloren.

Von rund 30 % der globalen Wertschöpfung 1990 auf etwa 13 % im vergangenen Jahr.

Die USA sind stabil geblieben. China hat Europa überholt.

Das ist kein Ausreißer. Das ist ein Trend.

Wollen wir in diese Richtung weitergehen?

Es ist nicht unsichtbar. Es ist unbequem.

Wollt ihr das so?

Wenn sich nichts ändert, ist das kein Zufall. Es ist eine Entscheidung.

Nicht der Politik. Sondern jedes einzelnen Entscheidungsträgers.

Wir sollten reden.

PS: Wer mehr Details haben möchte, hier ist die Analyse der Industriestrategie der Bundesregierung des 4future.institute nachzulesen:

https://4future.institute/industriestrategie

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